BVJ S für Flüchtling

Flüchtlingsklasse BVJs

 

 fluechtlinge 

 

Die erste Flüchtlingsklasse an der Berufsbildenden Schule für Ernährung, Hauswirtschaft und Sozialpflege hat ein Jahr Berufsvorbereitung vor sich. Die 15 Schülerinnen und Schüler haben einen gemeinsamen Traum: ein glückliches und friedliches Leben in Deutschland und eine Berufsausbildung. Aus diesem Grund besuchen diese Jungen und Mädchen mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen das BVJs an unserer Schule. BVJs bedeutet „Berufsvorbereitungsjahr mit Schwerpunkt Sprachförderung“.

Die Schrecken des Bürgerkriegs, alltägliche Lebensgefahr durch islamistischen Terror, zerfallende oder gar nicht mehr vorhandene staatliche Ordnungsstrukturen von Clan- und Warlordherrschaft, politische Verfolgung oder ethnische Ausgrenzung in ihren Heimatländern haben die teilweise noch minderjährigen und unbegleiteten Flüchtlinge erleben müssen. Ohne Aussicht auf Besserung ihren Lebensverhältnisse oder eine menschenwürdige Zukunft haben sie sich entschlossen, zu Fuß die Flucht in Richtung Europa, in Richtung Deutschland anzutreten. Sie alle haben es geschafft – sämtlich nach einer lebensgefährlichen Odyssee zu Land und zu Wasser.

Drei minderjährige Schüler unseres BVJs  kommen aus Syrien. Zwei von ihnen sind Brüder und seit 4 Monaten in Deutschland. Durch den Bürgerkrieg ist ihre Heimatstadt völlig zerstört worden. Die beiden Brüder sind gemeinsam aus Syrien geflohen. Auf ihrem Weg von der Türkei aus, über das Mittelmeer nach Griechenland, durch Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland haben sie sich verloren. Während die Flucht des Älteren nach vier Monaten in Deutschland ein Ende fand, benötigte der Jüngere sieben Monate. Aufgrund des Krieges konnten beide auch die Mittelschule nicht mehr besuchen bzw. abschließen.

Acht Schüler sind aus Afghanistan und vor den islamistischen Taliban geflohen, darunter auch eine junge Frau. Ihre Flucht führte über den Iran und den Irak, durch die Türkei über das Mittelmeer nach Griechenland und von dort  aus ebenfalls über die Balkanroute nach Deutschland. Manche von ihnen sprechen die Sprache schon ein wenig besser, während die anderen noch sehr wenig deutsch sprechen. Gerade Mädchen durften unter den Taliban in Afghanistan keine Schule besuchen.

Diese jungen Menschen haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen, manche haben einen mittleren Schulabschluss erworben. Andere von ihnen können nicht lesen und schreiben.

Ein Schüler stammt aus Bagdad, der irakischen Hauptstadt. Er hat die Oberschule abgeschlossen und somit einen höheren Bildungsabschluss erworben und wollte Informatik studieren. Der junge Mann spricht schon sehr passabel deutsch und noch besser englisch. Auf die Frage, warum er aus Bagdag geflohen sei, erzählt er eine grausame Geschichte über den Alltag in Bagdad: die Stadt sei zwar nicht in den Händen des sogenannten „Islamischen Staates“, trotzdem bestimme der islamistische Terror des Leben der Menschen. Er selbst ist zweimal nur knapp der Explosion von Autobomben in den Straßen der Stadt entgangen. Danach sei für ihn klar gewesen, dass er so nicht weiterleben könne.

Zwei Schüler kommen aus Somalia. Beide sind all ein nach Deutschland gekommen. Wie Tausende haben sie die lebensgefährliche Flucht aus Somalia über Äthiopien, durch den Sudan, nach Ägypten und Libyen und von dort aus in Booten übers Mittelmeer nach Italien hinter sich gebracht. Somalia hat viele Probleme nach über 20 Jahren Bürgerkrieg, vorallem der islamistische Terror der AlS hab aab Milizen, die teilweise zerfallenen Staatsstrukturen und generell mit Mangelernährung und Infektionskrankheiten, die weit verbreitet sind.

Der Unterricht im BVJs ist eine Mischung aus praktischem und allgemeinbildendem Unterricht. Deutsch lernen ist eines der wichtigsten Ziele der BVJs - Klassen – für den Alltagsgebrauch und den Beruf. Die Schüler haben 9 Stunden Deutsch in der Woche, 2 Stunden Fachrechnen, 10 Stunden Ernährung/ Hauswirtschaft in Theorie und Praxis und 2 Stunden Sozialkunde/Wirtschaft. Sozialkundeunterricht ist vorrangig Integrationsunterricht. Die Schülerinnen und Schüler lernen hier unser Grundgesetz und die Werte und Normen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung kennen, lernen im alltäglichen Leben in Deutschland und im Berufsalltag zurechtzukommen. An Motivation und Arbeitseifer mangle es den jungen Flüchtlingen nicht, sagen die Kollegen und insbesondere Klassenlehrerin Helga Bürger-Seifert.

Michel Gent